Ich wollt, ich hätt' ein Huhn

So gelingt die Hühnerhaltung im Privatgarten

 


Einst unverzichtbar für die Selbstversorgung, erfreut sich die private Hühnerhaltung heute wieder steigender Beliebtheit. In immer mehr Gärten hört man es scharren, krähen und gackern.

Die Aussicht auf das tägliche Frühstücksei, direkt aus dem eigenen Garten und frisch aus dem Nest, ist ja auch sehr verlockend, doch wie sieht es mit dem Aufwand an Geld und Zeit aus? Wie bei allen Entscheidungen sollte auch bei der Frage, ob man sich Hühner zulegen soll, am Anfang immer umfassende Information und gute Planung stehen. Je mehr Zeit man sich dafür nimmt, desto eher können spätere Probleme vermieden werden.

Erlaubnis und Meldepflicht

Als ersten und wichtigsten Punkt gilt es zu klären, ob die Hühnerhaltung im eigenen Garten überhaupt zulässig ist – das Gesetz erlaubt dies, wenn es den „ortsüblichen Gegebenheiten“ entspricht, was naturgemäß einigen Ermessensspielraum mit sich bringt. Ein Gespräch mit den zuständigen Stellen bei Gemeinde und Bezirkshauptmannschaft gibt dazu Sicherheit. Apropos Gesetz: Jede Hühnerhaltung, und sei sie noch so klein, ist in Österreich meldepflichtig!

Zwei weitere wichtige Fragen lauten: Wo sollen die Hühner im Garten untergebracht werden? Und wie viel Platz benötigen sie? Für den Hühnerstall eignet sich am besten eine ruhige, geschützte Stelle mit genügend großem Auslauf. Optimal ist ein Standort mit Morgensonne, aber auch schattigen Plätzchen, empfiehlt der Hühner-Experte Robert Höck, der einen einschlägigen YouTubeKanal betreibt und bereits zwei Bücher über Geflügelhaltung geschrieben hat (siehe Kasten „Happy Hühnergarten“). Für jedes Huhn sollten zumindest 2 m2 Auslauffläche vorgesehen werden; besser ist natürlich ein größeres Areal, damit auch die grüne Wiese dauerhaft bestehen bleiben kann.

Drinnen...

Im Stall, der trocken und zugluftfrei sein muss, braucht es nicht viel mehr als etwas Raum zum Scharren auf dem Boden, genügend Platz auf einer Sitzstange für die Nacht, geschützt platzierte Legenester für die Eier sowie sauberes Trinkwasser und Fressgelegenheiten. Ob man den Stall mit Isolierung versieht oder gar eine Heizung installiert, hängt von der Wahl der Rasse ab. Viele, aber nicht alle Hühner vertragen problemlos einige Minusgrade.

...und draußen

Im Auslauf wollen Hühner möglichst viele Gelegenheiten zum Scharren und Picken finden, und für die tägliche Pflege des Gefieders brauchen sie ein Sand- oder Staubbad. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Tiere allem Grün abgeneigt sind: Am wohlsten fühlen sich Hühner in großzügigen Gehegen, wo sie Abwechslung durch ungiftige Gehölze, Großstauden, Ziergräser, Baumwurzeln, Steine und ähnliches vorfinden. Sie suchen gern Deckung unter Sträuchern oder im Gestrüpp. Da sich nasse Hühner leicht erkälten und dann anfällig für weitere Erkrankungen werden, ist es sinnvoll, einen Teil des Freibereichs zu überdachen.

Unbedingt notwendig ist ein ausreichend hoher Zaun rund um Stall und Auslauffläche, damit die Hühner in ihrem Revier bleiben und gleichzeitig Katze, Fuchs und Marder keine Chance zum Eindringen haben. Nicht nur bei flugfreudigen Rassen ist eine Absicherung nach oben durch Netze empfehlenswert: Diese erfüllen zudem eine Schutzfunktion gegen Greifvögel & Co.

Hühner sind Allesfresser

Außer von Getreidekörnern (die sie übrigens in der Natur nur selten vorfinden) ernähren sich Hühner auch von allerlei Grünzeug und zu einem erheblichen Teil sogar von tierischer Kost wie Insekten und Würmern. Sie schätzen abwechslungsreiches Futter. Auf Wiesen mit Gehölzbestand wächst üblicherweise genügend Fressbares für sie; bei mangelnder Fläche oder Vielfalt müssen die Menschen für Abwechslung sorgen. Dafür bieten sich verschiedene Salate, Rote und Gelbe Rüben, Karotten und Pastinaken ebenso an wie Kohlgewächse und Fruchtgemüse (Kürbis!) – all das wächst im Idealfall im eigenen Garten. Hühner lieben zudem Petersilie, Fenchel und Basilikum, aber auch Brennnessel, Luzerne, Löwenzahn und Vogelmiere. Es ist ratsam, die Vögel ab und zu mit tierischem Eiweiß zu füttern, wie Naturjoghurt, Topfen und Mehlwürmern (getrocknet oder lebend) und – wer hätte das gedacht? – sogar gekochten Eiern.

Haben Sie Fragen zur Hühnerhaltung? Erich Koller beantwortet sie gerne! Schreiben Sie an redaktion@siedlerverband.at.

 


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